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10. Mrz 2021 | Kasuistiken

HydroTherapie beim Ulcus cruris venosum

Das Ulcus cruris venosum ist eine sekundär heilende, chronische Wunde, die nach heutigem Standard phasengerecht und feucht behandelt wird. Die HydroTherapy mit nur zwei Präparaten – HydroClean® und HydroTac® – sichert eine gründliche Reinigung, fördert den Aufbau von Granulationsgewebe und unterstützt die Epithelisierung für einen schnelleren Wundverschluss.

Behandlung

Häufigste Ursache für venöse Ulzera ist eine chronisch venöse Insuffizienz (CVI). Die CVI wiederum resultiert aus Krampfader­leiden (Varikose) oder thrombose­geschädigten Venen (postthrombotisches Syndrom [PTS]).

Chronische Wunden als Folge von Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen entwickeln sich zumeist in jahrelangem, schleichendem Verlauf. Neben der Therapieproblematik der chronischen Wunde sind die Auswirkungen anderer, oft gleichzeitig bestehender alterstypischer Erkrankungen zusätzlich zu berücksichtigen. Dies darf jedoch keineswegs dazu führen, ein oftmals lange Zeit bestehendes venöses Ulkus als altersbedingt und „austherapiert“ hinzunehmen. Unabhängig vom Alter und der Prognose hat jeder Betroffene Anspruch auf eine dem aktuellen medizinischen Wissensstand entsprechende Wundbehandlung.

Warum chronische Wunden so schlecht heilen

Im Gegensatz zu akuten Wunden, die durch äußere (Gewalt-)Einwirkungen auf die Haut entstehen, handelt es sich bei chronischen Wunden überwiegend um Gewebezerstörungen, die sich von inneren Haut- und Gewebeschichten nach außen hin entwickeln. Ursache für die Gewebezerstörung ist zumeist eine Minderdurchblutung des betroffenen Hautgebietes (Ischämie), die über zunehmende Ernährungs- und Stoffwechselstörungen im Hautgebiet zum Gewebetod (Nekrose) führt.

Blutmangel und damit Sauerstoff- und Nährstoffmangel im Wundgebiet sowie reichlich abgestorbenes Gewebe sind jedoch die denkbar schlechteste Ausgangsbasis für eine Wundheilung. Denn die Reparationsleistung der Zellen muss in einem extrem stoffwechselgeschädigten Gebiet gestartet werden, was eine reguläre Wundheilung mit zeitlich korrektem Auftreten der an der Wundheilung beteiligten Blut- und Gewebezellen unmöglich macht. Vielmehr bewirkt die fortbestehende Gewebezerstörung einen verstärkten Einstrom von Entzündungszellen wie Granulozyten und Makrophagen in das Wundgebiet, die sowohl Bakterien und andere Fremdkörper inaktivieren als auch Zytokine und Proteasen freisetzen.

Bestimmte Proteasen, nämlich die Matrix-Metalloproteasen (MMPs) spielen im Wundheilungsprozess eine wichtige Rolle. Ihre Aufgabe ist es, beschädigte und avitale Bestandteile der extra­­zellulären Matrix (ein von den Zellen selbst produziertes Netzwerk, das vor allem Informationsaufgaben hat) abzubauen. Dies bedeutet eine erste Reinigung der Wunde, die bei normaler Wundheilung etwa drei Tage dauert. Dann geht die Entzündungsphase in die Phase des Gewebeaufbaus, also in die eigentliche Reparaturphase über.

Hält jedoch bei der chronischen Wundheilung der Einstrom von Granulozyten und Makrophagen in das Wundgebiet an, werden im Übermaß entzündungsfördernde Zytokine freigesetzt, die ihrerseits die Produktion der MMPs steigern.

Der Überschuss an MMP-Aktivität ist nun deshalb so kritisch, weil neugebildete Bindegewebsbestandteile wie Fibronektin und Kollagen gleich wieder abgebaut werden können. Das Gleichgewicht von Gewebeaufbau und -abbau verschiebt sich in chronischen Wunden zugunsten des Abbaus. Die unkontrollierte Entzündung hält an, die Heilung stagniert.

Zusätzlich wird die Wirkung von Wachstumsfaktoren durch die im Übermaß vorhandenen MMPs beeinträchtigt. Dies ist eine weitere Ursache dafür, dass die Wundheilungskaskade nicht fortgesetzt werden kann und die Entzündung persistiert (fortbesteht). Gleichzeitig infiltrieren toxische Zerfallsprodukte von Gewebe und auch Bakterien das umliegende Wundgebiet, was einen weiteren Gewebs­untergang zur Folge hat und die Chronizität der Wunde unterhält.

Dementsprechend ist bei chronischen Wundverhältnissen das wichtigste Therapieziel, den Teufelskreis der persistierenden Entzündung mit ihrer exzessiven MMP-Aktivität zu durchbrechen. Eine erfolgversprechende und einfach anzuwendende Therapieoption dazu ist das hydroaktive Wundkissen HydroClean.

HydroCleanreduziert Matrix-Metalloproteasen (MMP)

In der Studie „The inhibition of matrix metalloproteinase activity in chronic wounds by a polyacrylate superabsorber“, erschienen in Biomaterials 29:2932-40 (2008), konnte gezeigt werden, dass die in HydroClean (damals noch unter dem Namen TenderWet erhältlich) enthaltenen Polyacrylat-Superabsorber die heilungsstörende erhöhte MMP-Aktivität im Wundexsudat chronischer Wunden deutlich reduziert.

Reduktion

Was die chronische Wundheilung zusätzlich stört

Der Patient mit einem Ulcus cruris venosum ist in der Regel ein geriatrischer Patient. Dies bedeutet, dass sowohl die Auswirkungen der natürlichen Alterungsprozesse als auch von gleichzeitig vorliegenden Grunderkrankungen (Multimorbidität) in die therapeutischen Überlegungen mit einzubeziehen sind.

Ein bedeutender altersbedingter Einflussfaktor ist beispielsweise der zunehmende Elastizitätsverlust der Blutgefäße und damit auch der Venen. Der Elastizitätsverlust verstärkt die CVI, wodurch sich die Chancen zur Ulkusabheilung verschlechtern. Qualitätsmindernde Auswirkungen auf die Wundheilung haben auch die natürliche Hautalterung und die damit verbundenen Funktionseinbußen. Das Ergebnis im Falle einer Abheilung ist häufig ein minderwertiges Narbengewebe, das zu Rezidiven neigt.

Besondere Probleme ergeben sich, wenn ein Venenleiden seit vielen Jahren besteht. Beispielsweise begünstigt die chronisch venöse Stauung degenerative Gelenkerkrankungen oder Spitzfußbildung. Eine hohe Gefährdung besteht durch Hauterkrankungen der Nägel oder eine Infektion durch Streptokokken (Erysipel), die auf den gesamten Unterschenkel übergreifen kann. Zu beachten ist aber auch eine zunehmende Allergiebereitschaft auf alle möglichen Substanzen wie Salben, Cremes oder Hautdesinfektionsmittel, die oft im Laufe der langen Therapiezeit wahllos zur Anwendung kommen.

All diese spezifischen Gegebenheiten beim geriatrischen Ulkuspatienten haben letztlich auch Konsequenzen für die Therapie, weil sie chirurgischen Behandlungsmethoden enge Grenzen setzen. Umso größeres Gewicht hat die sog. konservative, d. h. nicht chirurgische Therapie. Sie umfasst zwei grundlegende Maßnahmen: die Kompression des Beines und die phasengerechte feuchte Wundbehandlung mithilfe hydroaktiver Wundauflagen.

Die HydroTherapy – wirksam und einfach

Entscheidend für die Heilung von Wunden – insbesondere von chronischen Ulzera wie dem Ulcus cruris venosum – ist, wie schnell und gut es gelingt, die Wunde von heilungsstörenden Faktoren wie Bakterien, MMPs, Belägen und Nekrosen zu reinigen, um ein „sauberes“ Wundbett als Voraussetzung für die Bildung von Granulationsgewebe und Epithelisierung zu erreichen. Als wertvolle therapeutische Option erweist sich hierbei das innovative Konzept der HydroTherapy. Mit nur zwei Präparaten – HydroClean und HydroTac – kann das venöse Ulkus über alle drei Wundheilungsphasen wirksam und einfach versorgt werden.

Schaubild

Die Therapie startet mit HydroClean, das durch seinen Saug-Spül-Mechanismus eine Sonderstellung unter den hydroaktiven Wundauflagen einnimmt: HydroClean ist eine äußerst effiziente Wundauflage zur intensiven Reinigung, Nekrosenablösung, Abtötung von Bakterien und Inaktivierung von MMPs. In der klinischen Praxis kann zudem immer wieder festgestellt werden, dass die tiefenwirksame Reinigung mit HydroClean schnell und zuverlässig zum Tragen kommt. Dies führt vielfach zu einer Verkürzung der Heilungszeiten, was nicht nur den betroffenen Patienten erheblich entlastet, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht von Bedeutung ist.

Ist die Wunde gereinigt bzw. konditioniert, d. h. die Bildung von Granulationsgewebe beginnt, kommt der Schaumstoffverband HydroTac zur Anwendung. Dank seiner AquaClear Technologie sorgt HydroTac für eine optimale Feuchtigkeitsregulierung. Es entsteht ein Wundklima, das beste Voraussetzungen für die weitere Granulationsbildung als auch Epithelisierung schafft. HydroTac überzeugt aber auch durch die einfache und sichere Applikation.

Fazit

HydroClean und HydroTac ermöglichen als zwei perfekt aufeinander abgestimmte Präparate in allen Wundversorgungsbereichen – institutionell und ambulant – eine wirksame und einfache Wundbehandlung von der Wundreinigung bis zur Abheilung. Mit nur zwei Präparaten, die alle Erfordernisse während des gesamten Heilungsverlaufs abdecken, entfällt die zeitraubende Aufgabe, aus der Vielzahl von Wundauflagen eine phasengerecht passende zu finden.

Die Autorin: Barbara Nusser, ehemalige Leiterin Medical Training, PAUL HARTMANN AG, Heidenheim

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