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17. Mai 2021 | Wundversorgung aktuell

Mit atraumatischem Verbandwechsel gegen Ängste und Schmerzen

Paul Hartmann AG

Mit dem Verbandwechsel verbindet der Patient oft ein negatives Ereignis. Das Entfernen des Wundverbandes wird als schmerzintensivster Zeitpunkt erlebt, und nicht selten entstehen beim Betroffenen regelrechte Angstgefühle, die es zu vermeiden gilt. Welche Maßnahmen bei der Schmerzvermeidung hilfreich sind, zeigt dieser Beitrag.

Atraumatischer Verbandwechsel

Die höchste Wahrscheinlichkeit, bei einem Verbandwechsel Schmerzen und ein Trauma auszulösen, besteht immer dann, wenn Wundauflagen zum Verkleben mit der exsudierenden Wundfläche neigen und das aufgenommene Exsudat im Verband eintrocknet und mit ihm eine starre Verbindung eingeht. Dies führt beim Wechseln des Verbandes dazu, dass mit dem eingetrockneten Exsudat auch das darunterliegende, neu gebildete Gewebe mit abgerissen wird. Durch dieses sog. Zellstripping wird die Wunde beim Abnehmen / Abreißen des Verbandes jedes Mal schwer traumatisiert und zumindest partiell wieder in die Entzündungsphase zurückgeworfen. Vor allem aber stellt dieses Zellstripping für den Patienten – zusätzlich zu den ständigen Wundschmerzen – ein großes Trauma dar. Auch bei dem in der Praxis üblichen Verfahren, verklebte und eingetrocknete Wundauflagen durch vorheriges Anfeuchten beispielsweise mit NaCl 0,9 % oder Ringerlösung schonender abzulösen, ist zu beachten, dass Zellen und neu gebildetes Gewebe dadurch nicht wieder belebt werden. [1] Die Verwendung verklebender Verbandstoffe kann deshalb für den Patienten zu einer schweren Belastung werden.

Um Wundschmerzen und Wundheilungsstörungen zu vermeiden, müssen Wundauflagen über wundfreundliche, sog. atraumatische Eigenschaften verfügen, d. h. sie dürfen auch bei längerer Anwendung auf exsudierenden Wunden nicht verkleben, damit beim Verbandwechsel keine neuen Wunden gesetzt werden. Gleichzeitig wird durch die atraumatischen Eigenschaften ein schmerzarmer, teils sogar ein schmerzfreier Verbandwechsel ermöglicht. Für die atraumatische Wundversorgung stehen heute vielfältige Wundauflagen für den Einsatz bei Wunden unterschiedlichster Genese zur Verfügung.


Die HARTMANN Wundauflagen für einen atraumatischen Verbandwechsel

Atraumatischer Verbandwechsel

Tipps für die Praxis

Wenn chronische Wunden für den Patienten zur Qual werden, sind es vor allem – oftmals ständige – Wundschmerzen, die stark belasten. Besonders aber fürchten Wundpatienten Schmerzspitzen, wie sie bei unsachgemäßer Wundversorgung und beim Verbandwechsel entstehen können.

Die Qualität einer Wundversorgung kann deshalb auch daran gemessen werden, wie gut es gelingt, Schmerzen und Ängste beim Verbandwechsel zu vermeiden. Die Maßnahmen, die eine einfühlsame und sachgerechte Wundversorgung sicherstellen, sind nicht aufwendig, erfordern aber ein gewisses Maß an Empathie für den Betroffenen sowie nicht zuletzt eine gute Planung und Sicherheit bei der Durchführung.

Atraumatischer Verbandwechsel

Vertrauensbasis schaffen

Wenn chronische Wunden für den Patienten zur Qual werden, sind es vor allem – oftmals ständige – Wundschmerzen, die stark belasten. Besonders aber fürchten Wundpatienten Schmerzspitzen, wie sie bei unsachgemäßer Wundversorgung und beim Verbandwechsel entstehen können.

Die Qualität einer Wundversorgung kann deshalb auch daran gemessen werden, wie gut es gelingt, Schmerzen und Ängste beim Verbandwechsel zu vermeiden. Die Maßnahmen, die eine einfühlsame und sachgerechte Wundversorgung sicherstellen, sind nicht aufwendig, erfordern aber ein gewisses Maß an Empathie für den Betroffenen sowie nicht zuletzt eine gute Planung und Sicherheit bei der Durchführung.

Erklären Sie dem Patienten mit einfachen und verständlichen Worten, wie die Wundbehandlung aussehen wird und warum sie in der bestimmten Art und Weise auszuführen ist, damit die Behandlung erfolgreich wird.

Erläutern Sie dem Wundpatienten ggf. auch die therapeutische Wirkungsweise der gewählten modernen Wundauflage. Dies kann viel zur Patientenadhärenz und zur Akzeptanz der Behandlungsmethode beitragen. Der Wundpatient soll sich mit dem Verband so gut wie möglich fühlen. Wird eine Wundauflage aus diversen Gründen nicht akzeptiert, ist eine andere indikationsgerechte, atraumatische Wundauflage zu wählen.

Informieren Sie den Wundpatienten nach der ersten Wundbeurteilung bzw. nach den ersten Verbandwechseln darüber, mit welchen Heilungszeiten er bei optimalem Verlauf zu rechnen hat. Dies kann ihn davor bewahren, ungeduldig selbst Maßnahmen zur Heilungsbeschleunigung zu ergreifen. Erläutern Sie bei jedem Verbandwechsel die Fortschritte, begründen Sie aber auch Rückschläge in der Heilung, damit der Patient nicht mutlos wird.

Atraumatischer Verbandwechsel

Falls der Wundpatient dazu in der Lage ist, befragen Sie ihn zu Beobachtungen und Empfindungen zur Wunde und zum Heilungsverlauf. Weisen Sie ihn darauf hin, jede Veränderung wie beispielsweise sich verstärkende Schmerzen, Gerüche oder Taubheitsgefühle sofort an Sie weiterzugeben.

Vermeiden Sie bei der Kommentierung der Wunde negative Aussagen wie „Das sieht ja nicht gut aus“ oder „Das riecht ja furchtbar“, weil dies den Wundpatienten zusätzlich verunsichern und sogar verletzen kann. Motivierender ist, selbst kleinste Fortschritte wie z. B. beginnende Epithelisierung zu kommentieren.

Sicherheit gewinnen

Der Wundverband einschließlich einer gut sitzenden Fixierung hat neben der therapeutischen immer auch eine psychologische Wirkung. Denn die Handlung der Wundversorgung und des Verbandwechsels ist für den Wundpatienten nachvollziehbar und vermittelt ihm das Gefühl, gut behandelt und versorgt zu sein.

Atraumatischer Verbandwechsel

Ein sicheres, konzentriertes Arbeiten beim Verbandwechsel kann zudem viel zur Reduzierung bzw. zur Vermeidung von Schmerzen beitragen. Insbesondere bei großen komplizierten Wunden oder bei Tumorwunden in der Palliativpflege sollte der Verbandwechsel zügig mithilfe einer zweiten Person durchgeführt werden.

Um Sicherheit bei der Wundversorgung zu gewinnen und sich gegebenenfalls in einem Wundzentrum zu spezialisieren, empfiehlt sich eine Fort- und Weiterbildung zum zertifizierten Wundberater.

Durchführung gut planen

Wesentlich für das Gelingen des Verbandwechsels ist die durchdachte Materialvorbereitung. Insbesondere ist der Bedarf an sterilen Materialien möglichst genau einzuschätzen, um unnötigen Anbruch / Rücklauf zu vermeiden. In der ambulanten Pflege empfiehlt sich ein gut bestückter Verbandkoffer, um individuell auf die jeweilige Patienten- / Wundsituation reagieren zu können.

Atraumatischer Verbandwechsel

Schmerzen & Wundheilungsstörungen vermeiden

Ein sehr wirksames Mittel, Schmerzen beim Verbandwechsel stark zu reduzieren, wenn nicht gar gänzlich auszuschalten, ist die Verwendung atraumatischer Wundauflagen. Diese verkleben nicht mit der Wunde und lassen sich deshalb leicht entfernen, ohne dass Gewebe mitabgerissen wird.

Chronische Wunden sind häufig (sehr) schmerzhaft. Achten Sie auf verbale und nonverbale Zeichen (Mimik, Laute) des Patienten von Schmerz und Missempfinden während des gesamten Verbandwechsels. Mimik und Laute des Missempfindens können vor allem bei Demenzkranken Aufschluss über die Schmerzhaftigkeit der Wunde geben.

Äußert sich der Wundpatient über starke Schmerzen oder sind beim Verbandwechsel starke Schmerzen zu erwarten, zum Beispiel bei einem Débridement, sind etwa eine halbe Stunde vor dem Verbandwechsel schmerzstillende Mittel zu verabreichen. Diese Zeitspanne ist insbesondere in der ambulanten Pflege in die Organisation einzuplanen.

Atraumatischer Verbandwechsel

Gegebenenfalls ist zur Schmerzausschaltung die Anwendung lokalanästhesierender Cremes angezeigt. Auch hier sind die vom Hersteller angegebenen Einwirkzeiten einzuhalten, was wiederum meist gut organisiert werden muss.

Da immer auch dermale Nervenstrukturen mitgeschädigt sind, ist die Wunde sanft zu behandeln, weil jede Berührung Schmerzen verursachen kann. Ebenso sind Reize und Manipulationen der Wunde wie beispielsweise Zugluft durch offene Fenster, Stechen in die Wunde oder Anstoßen der Wunde unbedingt zu vermeiden.

Wenn immer möglich, ist die Verbandwechselhäufigkeit zu reduzieren. Weniger Verbandwechsel bedeuten weniger Schmerzen und weniger Traumatisierungsgefahr für die Wunde. Atraumatische bzw. hydroaktive Wundauflagen wie HydroClean können je nach Wundzustand mehrere Tage auf der Wunde verbleiben, sodass die Verbandwechselhäufigkeit wirkungsvoll reduziert werden kann.

Bildnachweise: PAUL HARTMANN AG

Literatur: Feuchttherapie chronischer Hautulzera mit Ringer‘scher Lösung: physiologisch, heilungsfördernd, schmerzlindernd W. O. Seiler, Universitätskliniken Basel, in HARTMANN WundForum 2/2007

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